Transkript zu KI-Hype oder Infrastruktur-Revolution? Was hinter dem Boom wirklich steckt!
Willkommen zu The Debate. Wir sprechen heute über künstliche Intelligenz oder vielleicht besser gesagt über diese gewaltige Welle aus Hoffnung und Kapital, die gerade über uns schwappt. Milliarden fließen in eine Technologie, die ja an anscheinend alles revolutionieren soll.
Genau. Und auf Grundlage eines Kommentars von Markus Begerow (Titel: Platzt die KI-Blase - oder nur unsere Illusionen?) stellen wir uns heute die eine wirklich entscheidende Frage. Handelt es sich beim aktuellen KI Boom um eine gefährliche Spekulationsblase, die kurz vor den Platzen steht oder erleben wir hier bei all den Turbulenzen vielleicht doch die notwendige Gründungsphase für eine echte technologische Revolution?
Ich glaube, wir sehen hier etwas Fundamentales. Ich bin der Meinung, die massiven Investitionen in die Infrastruktur sind ein absolut notwendiger Schritt, um diesen tiefgreifenden Wandel überhaupt zu ermöglichen.
Und ich halte dagegen. Für mich sieht das Ganze ehrlich gesagt wie ein ein Lehrbuchbeispiel für eine Blase aus. Die Erwartungen sind meilenweit von der Realität entfernt und das System befeuert sich durch einen geschlossenen Geldkreislauf quasi selbst. Also, ich fange mal an. Für mich ist das eine Blase, die auf einer Illusion aufgebaut ist, der Illusion von Intelligenz. Wenn man aber mal genau hinsieht, wer hier eigentlich das Geld verdient, dann sind es ja nicht die KI Firmen. Open AI und ähnliche Unternehmen verbrennen Milliarden. Die Waren Gewinner sind die, die die Schaufeln im Goldrausch verkaufen. Nvidia mit seinen Chips, Microsoft und Google mit ihren Cloudkapazitäten die Energiekonzernen. Was wir als KI Revolution feiern, ist im Kern die größte Wette auf Hardware in der Geschichte.
Das ist eine starke These, die größte Hardware Wette der Geschichte. Aber war das bei früheren Revolutionen denn wirklich anders? War die Eisenbahn nicht die größte Stahlwette ihrer Zeit und das Internet, na ja, die größte Glasfaserwette?
Der Vergleich hingt für mich, denn die Eisenbahn hat von Anfang an einen realen Nutzen geschaffen. Sie hat Güter und Menschen transportiert. Bei der KI Wette sehe ich diesen Nutzen in der Breite einfach noch nicht und schlimmer noch. Der Boom nährt sich in einem geschlossenen Kreislauf selbst. Nvidia gründet einen Wagniskapitalfond, der in Startups investiert, die dann Welche Überraschung, Nvidias teure Hardware kaufen. Das Geld verlässt das Ökosystem also nie. Das erinnert mich fatal an die ähm Mark to Market Bewertungen aus der Docom Era, speziell an den Fall Enron. Man hat damals Gewinne verbucht, die nur auf dem Papier und in Zukunftserwartungen existierten. Heute haben wir KI Modelle ohne funktionierendes Geschäftsmodell, deren Wert nur durch die nächste noch größere Investitionsrunde bestätigt wird.
Für die meisten etablierten Unternehmen ist KI doch immer noch eine PowerPoint Technologie keine echte Wertschöpfungsmaschine und diese Kluft zwischen dem Hype und dem tatsächlichen Ertrag, das ist halt der klassische Sprengstoff für jede Blase.
Ich verstehe den Punkt mit dem geschlossenen Kreislauf, aber ich glaube, sie unterschätzen die materielle Realität, die hier geschaffen wird. Im Gegensatz zur Dotcomblase, wo es oft um rein virtuelle Firmen und na ja, immaterielle Dienstleistungen ohne jeden Umsatz ging, entstehen heute massive physische Werte. Wir reden über riesige Rechenzentren über eine konkrete Produktion von hochkomplexen Chips über langfristige Energielieferverträge. Die Spekulation ist hier an eine greifbare materielle Infrastruktur gekoppelt. Jede große technologische Revolution brauchte genau das, eine Phase fast irrationaler Überinvestition in die Grundlagen. Ohne den Eisenbahnh. Jahrhunderts gäbe es kein flächendeckendes Schienennetz in Europa. Ohne den DCOM Boom hätten wir heute nicht diese fantastische Glasfaserinfrastruktur.
Aber die Infrastruktur ist ist doch kein Selbstzweck. Ein Schienennetz ist doch nur dann wertvoll, wenn Züge darauf fahren, die etwas Nützliches transportieren. Was ist die Fracht der KI? Bessere Werbeanzeigen und die Fähigkeit Hausaufgaben zu fälschen?
Nein, nein, das ist zu kurz gegriffen. Die Fracht ist die Rechenleistung, die eine völlig neue Art von Software und damit von Problemlösungen überhaupt erst ermöglicht. Natürlich führt das zu einer enormen Machtkonzentration bei den sogenannten Gamma Konzernen, also Google Amazon, Microsoft, Meta und Apple. Das ist kritisch, keine Frage. Aber diese Konzerne sind eben die einzigen, die die schier unvorstellbaren Summen aufbringen können, um diese Basisinfrastruktur zu bauen, auf der dann später unzählige kleinere Innovationen aufsetzen können. Und dass die Unternehmen jetzt noch experimentieren und die großen Produktivitätssprunge noch auf sich warten lassen, das ist ein völlig normaler Adaptionsprozess. Es dauert eben, bis eine so fundamentale Technologie in der betriebswirtschaftlichen ankommt. Das ist kein Zeichen für das Scheitern, sondern für den Anfang.
Sie sagen, das Kapital schafft hier Fakten. Ich würde sagen, das Kapital ersetzt hier die Erkenntnis. Man investiert Milliarden, nicht weil man ein funktionierendes Geschäftsmodell hat, sondern in der Wagenhoffnung, dass bei so viel Geld schon irgendetwas Nützliches dabei herauskommen muss. Das ist ein gefährlicher Trugschluss. Der Verweis auf Enron ist eben doch passend, denn es geht primär um einen Kreislauf aus wechselseitigen erwart nicht um nachhaltige Wertschöpfung. Open AI z.B. die verpflichten sich zu Milliardenzahlungen an Microsoft für Clouddienste mit Geld, dass sie noch gar nicht erwirtschaftet haben. Das ist keine solide Investition in Infrastruktur, das ist eine Hochrisikowette auf eine Zukunft, von der niemand weiß, ob sie ihr eintritt. Der Wert der Hardware, von der Sie sprechen, ist untrennbar mit dem Versprechen der Software verknüpft. Wenn dieses Versprechen platzt, sind die teuren Rechenzentren nur noch extrem stromfressende Lagerhallen.
Aber Diese Wette auf die Zukunft ist es doch die Fortschritt antreibt. Ohne diese konzentrierten ja fast warnwitzigen Investitionen gäbe es die großen Sprachmodelle in ihrer heutigen Form schlist und einfach nicht. Die physische Realität dieser Rechenzentren und Chips ist der entscheidende Unterschied zu rein virtuellen Blasen der Vergangenheit. Man kann sie nicht einfach als Illusion abtun und diese Realität, die wird bleiben. Selbst wenn einzelne KI Modelle oder Firmen scheitern. Die gebaute Infrastruktur ist sozusagen die Bühne, auf der das nächste Stück gespielt wird. Gut, bleiben wir bei dieser physischen Realität, denn genau die wird zum unüberwindbaren Hindernis. Die Fantasie der Investoren mag grenzenlos sein, die Physik ist es nicht. Wir sprechen über einen unvorstellbaren Verbrauch von Energie, Wasser und Land. Manche Rechenzentren verbrauchen so viel Strom wie ein kleines Land. Es ist doch bezeichnend, dass die großen Techkonzerne ihre ESG Versprechen, also ihre eigenen Ziele für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung still und leise über Bord werfen. Der Ruf nach neuen Atomkraftwerken nur um die KI zu füttern, der zeigt doch die Schere Verzweiflung. Die KI ist keine magische Wolke, sie ist ein brutales physisches Großprojekt, dessen Wachstum direkt vom Ausbau der Stromnetze abhängt. Und genau diese physische Grenze wird den Hype beenden. Nicht ein Mangel an guten Ideen oder Kapital. Die Blase platzt nicht an der Börse, sie stößt an die Wand des Stromnetzes.
Ich stimme Ihnen vollkommen zu, dass diese physikalischen Gren real und eine riesige Herausforderung sind. Absolut. Aber ich sehe darin kein Todesurteil, sondern den entscheidenden Katalysator für die nächste viel interessantere Phase der KI Entwicklung. Der immense Druck zur Effizienz, den Sie beschreiben, zwingt die Branche doch geradezu, von diesem naiven Größer ist immer besser Ansatz wegzukommen. Die Zukunft liegt nicht in noch gigantischeren alleskönnenden Modellen, die ein ganzes Kraftwerk für sich allein brauchen. Sie liegt in kleineren hochspezialisierten Domänen spezifischen und vor allem energieeffizienten Anwendungen.
Das klingt in der Theorie wunderbar, aber es löst das Problem von heute nicht. Die Energiekrise der KI ist jetzt. Die Entwicklung dieser super effizienten Modelle, von denen Sie sprechen, die dauert Jahre. Was passiert in der Zwischenzeit? Beobachten wir nicht einfach einen Kollaps, bevor diese intelligente nächste Evolutionsstufe überhaupt eine Chance hat, sich zu entwickeln?
Ich glaube nicht, dass es ein Kollaps sein wird. Es ist eine schmerzhafte, aber notwendige Korrektur, die bereits im gegange ist. Die Forschung konzentriert sich immer stärker auf Effizienz und Optimierung. Die sogenannte Entlehrung der Blase, von der im Text die Rede ist, ist also kein Platzen, sondern ein intelligenter Reifungs und Anpassungsprozess. Die Knappheit an Energie wird den Fortschritt nicht stoppen, sondern Innovation in Effizienz erzwingen. Es ist der evolutionäre Druck, der die Technologie zwingt, erwachsen zu werden.
Dieser Reifungsprozess mag vielleicht in den USA stattfinden, aber er ändert nichts an der desaströsen Position, in der sich Europa befindet. Wir spielen die Rolle des gutmeinenden Zuschauers. Wir bilden hier exzellente Fachkräfte aus, investieren in ihre Ausbildung nur um sie dann an die US-Konzerne zu verlieren. Gleichzeitig fesseln wir die verbleibenden Unternehmen mit immer neuer Regulierung. Dieser alte Spruch in den USA wird erfunden, in China produziert und in Europa reguliert war selten so wahr wie heute. Während die USA die Fakten schaffen, von denen sie vorhinsprachen, verlieren wir uns hier in endlosen Debatten über Kennzeichnungspflichten. Wir diskutieren über die Farbe des Warenhinweises, während anderswo die Fundamente der zukünftigen Weltwirtschaft gebaut werden. Das ist keine Reifung, das ist Ohnmacht.
Ich bin nicht überzeugt von dieser Erzählung der Ohnmacht. Ich verstehe die Frustration, aber vielleicht liegt genau in dieser Rolle, die Sie als schwach beschreiben, eine unerwartete strategische Chance. Europa kann und wird das Rennen um das Gr größte leistungsstärkste Modell nicht gewinnen. Das ist entschieden. Aber vielleicht gibt es ein anderes Rennen zu gewinnen. In einer Welt, die zunehmend von diesen riesigen energiehungrigen und völlig undurchsichtigen KI Systemen der Gamma Konzerne dominiert wird, könnte ein Gütesiegel Made in Europe für etwas ganz anderes stehen. Für Transparenz, für Überprüfbarkeit, für Effizienz und Vertrauenswürdigkeit.
Das ist eine Nische, die gut klingt, aber ist sie wirtschaftlich wirklich relevant? Während wir an einer kleinen vertrauenswürdigen KI forschen, bauen die Amerikaner die globalen Plattformen, auf denen die Weltwirtschaft der Zukunft laufen wird. Wir optimieren quasi das Beiboot, während die anderen den Flugzeugträger bauen. Ist das wirklich eine strategische Chance oder nur eine Beruhigungspille für den eigenen Bedeutungsverlust?
Vielleicht. Aber in einer Welt, die sich zunehmend Sorgen über die Macht, den Energieverbrauch und die Unkontrollierbarkeit dieser Flugzeugträger macht, könnte das wendige verlässliche Beiboot plötzlich sehr attraktiv werden. Gerade für kritische europäische Industrien wie das Gesundheitswesen, den Maschinenbau oder die Finanzbranche, wo es nicht um die Generierung von Gedichten, sondern um nachweislich korrekte und sichere Ergebnisse geht. Es geht nicht darum, das Rennen um die Größe zu gewinnen, sondern das Rennen um das Vertrauen. Das ist nicht weniger, es ist vielleicht sogar strategisch klüger auf lange Sicht.
Fassen wir meine Position also zusammen. Für mich sind die Anzeichen einer spekulativen Blase erdrückend. Wir haben eine tiefe Kluft zwischen dem Hype und dem realen Nutzen. Wir haben einen selbstbezogenen Finanzierungszyklus, der mehr an kreative Buchführung als an nachhaltiges Wachstum erinnert. Und wir stoßen an harte, unüberwindbare physikalische Grenzen, die das Versprechen vom unendlichen Wachstum lügen strafen. Eine schmerzhafte Ernüchterung ist meiner Meinung nach unausweichlich. Letztlich müssen wir uns von unserer Sehnsucht nach technischer Erlösung verabschieden und wieder ein gesundes Maß für das finden, was wirklich machbar und sinnvoll ist.
Und ich sehe das grundlegend anders. Der Prozess, den wir beobachten. Mag zwar oberflächlich die Züge einer Blase tragen, aber im Kern ist es ein notwendiger und sogar produktiver Reifungsprozess. Die gigantischen Investitionen, die Konzentration auf die Infrastruktur und sogar die harte Konfrontation mit den physikalischen Grenzen sind allesamt entscheidende Schritte, um die KI in ihre nächste anwendbarere und wirklich nützliche Phase zu führen. Das angebliche Platzen der Blase ist daher kein Untergangsszenario, sondern der Beginn einer Fokus vierteren reiferen Entwicklung weg von der Fiktion der gottgleichen Allwissenheit hin zum messbaren realen Nutzen im Kleinen.
Unsere Diskussion zeigt also, dass die entscheidende Frage am Ende vielleicht gar nicht lautet, ob die Blase platzt, sondern was passiert, wenn diese Phase des ungebremsten Wachstums endet. Es könnte sich weniger um einen Kollaps handeln, als um eine notwendige Transformation handeln. Eine, die uns alle zwingt, den wahren Wert und den tatsächlichen Fortschritt im Zeitalter der KI völlig neu zu bewerten. Und der Text von Markus Begerow (Titel: Platzt die KI-Blase - oder nur unsere Illusionen?) gibt uns eine Menge Stoff, um genau darüber nachzudenken.




